Über die Aussagefähigkeit der Hersteller-Daten.
Beginnen wir mit der größten Selbstverständlichkeit:
Hersteller wollen verdienen und mehr verkaufen! Das heißt natürlich auch, dass sie im Geschäft bleiben müssen. Oder anders, Du liest ihre Werbung und machst automatisch Deine eigenen Interpretationen. Nach meiner Meinung kann ein Hersteller nichts, aber auch wirklich NICHTS tun im Bereich Bogen Design, was es für irgend jemanden leichter macht präzise zu treffen. Sie können den Bogen schneller machen, hübscher, länger, kürzer, leichter und schwerer zu tragen, teurer.... :-) oder etwas preiswerter aber das war es dann auch und alles darüber hinaus ist unbewiesene Spekulation.
Du weißt sicher, das jeder Bogenhersteller gesponsorte Schützen hat? Klar. Und? Ist Dir schon mal aufgefallen, vielleicht im Video oder auf den Bildern im Bogensport-Magazin, dass diese Schützen immer die teuersten und neuesten Modelle schießen? Der Grund ist doch klar, diese Schützen könnten auch mit 'ner Banane an der eine Sehne hängt, gewinnen. Es sind einfach Ausnahme-Schützen. Aber wenn die mit einem Vorjahresmodell oder sogar einem Billig-Bogen aus dem unteren Preissegment, den sowieso jeder hat, gewinnen würden, gäbe es keine neue Nachfrage nach den High-End Modellen mehr. :-)
Außerdem, der Profit bei den unteren Modellen ist nicht so gewaltig. Genauer, recht dünn.
Es wäre ziemlich naiv zu glauben, Bogenhersteller verbringen jeden wachen Moment damit darüber nachzudenken, wie wir Schützen es schaffen genauer zu schießen mit weniger Aufwand auf unserer Seite. Es gibt keinen Unterschied zu irgendeinem anderen Geschäft, ihre erste Sorge ist der Verkauf um Gewinn zu machen und im Geschäft zu bleiben. Jede Untersuchung und Forschung, ob bei PSE, MARTIN, DARTON und wie sie alle heißen, geht dahin, etwas zu entwickeln was ANDERS aussieht und dahin die Produktionskosten zu senken. Man bleibt dadurch wettbewerbsfähig und verliert das Geschäft nicht durch den Preis des Produktes.
Diese Werbeaussagen wie: "Leicht zu tunen", "Bogen-Effizienz", "verzeihlich", "noch genauer" usw. sind genau das: Hype, also übertriebene Werbeaussagen. Sie basieren einfach auf Umständen und den nicht wiederholbaren und nicht beweisbaren Erfahrungen einer einzelnen Person. Mein Lieblingsbeispiel bezieht sich auf das Bogenmodell X von der Firma Y. Zwei identische Käufer gehen jeweils in ein Bogengeschäft, ca. 50 KM auseinander. Im ersten Geschäft: der Besitzer macht eine gute Schätzung im Bereich Pfeilschaft, schafft es glücklicherweise den Nockpunkt richtig zu setzen und hat mit der Center-Einstellung auch noch mal Schwein. Das Ding schießt gut!
In dem anderen Laden war nicht nur der Schießstil des Besitzers nicht besonders... aber es ging ja um "Speed". Er wählte einen schlecht gespinten Pfeil aus der Tabelle und missinterpretierte diesen als empfohlen.
Jetzt werden die Mythen und Legenden geboren:
Der eine sagt: Kauf das Modell XY, es ist so einfach zu tunen, das Set-up ist großartig!
Währen der andere sagt, er habe den Bogen zurück an den Hersteller geschickt, weil:
Wir haben jeden Nockpunkt versucht, jede Center Einstellung aber niemand konnte das Ding dahin bringen, dass es vernünftig schießt. Nicht mal unser Landesmeister!
Nun, das sind Zeugenaussagen, mit denen man vor Gericht gehen kann. Oder? :-))
Diese Dinge über die wir hier reden, Effizienz, Reibung, Zug-Kraft-Kurve sind alle akademisch. Den es kann Dir durchaus passieren, dass beim nächsten Wettkampf ein Schütze mit einem Bogenmodell mit den schlechtesten Werten die es je gab, Dich schlägt obwohl Du das derzeitige "High End Magic" Modell hast.
"Bogen Effizienz" ist ein klassisches Beispiel:
Es ist eigentlich ein reines Unterhaltungsthema, denn der Begriff beschreibt NUR:
Bei der 30" Auszug Version eines jeden Modells mit 60 lbs. Spitzenzuggewicht, die gelieferte kinetische Energie in "FOOT POUNDS"mit einem 540 grain Pfeil bei einem Yard Entfernung zum Bogen. Man macht immer nur diese eine Messung mit einem Modell, weil sonst die Verwirrung allgemein noch größer würde. Und wenn man das 29" Modell (Äpfel) mit dem 31" Modell (Birnen) vergleichen würde, wäre alles zu spät. :-))
Ich mache Dir das gerne mal vor: (Aber beschwer Dich nicht.) :-)
Wenn der 60/30/540 Bogen 84,89 foot pounds speichert und der 540 grain Pfeil berechnet wird mit 230 FPS bei 64,62 foot pounds, dann ist das eine Effizienz von 76,1%.
Vielleicht noch nützlich um Modell X mit Z zu vergleichen, aber sieh Dir das mal an, wie akademisch das ist. Nimm einen Pfeil, der 50 grains leichter ist, der ist zwar ein wenig schneller, dafür schlägt er nicht ganz so hart ein und die Effizienz sinkt auf 63,96%. Dann nimm einen 50 grain schwereren Pfeil, etwas langsamer aber dafür schlägts ein wenn er trifft, die Effizienz steigt auf 85,29%.
Was ich sagen will?
Du kannst jedem Schützen den Bogen mit den absoluten TOP-Werten geben, seine Pfeilauswahl ändert alles! Weiterhin, warum sollten wir Schützen uns über solche Haarspaltereien Gedanken machen, es gibt keine Garantie das Bogen X, mit einer Effizienz von 77,5% auch nur einen Jota besser schießt als der Bogen Z mit einer Effizienz von 74,3%.
Ich habe hier drei verschiedene Testberichte zu Bögen, vom selben Autor. Die gemessenen AMO Geschwindigkeiten sind: 232,1 / 234,4 und 236,6 FPS. Seit jeder Bericht die Geschwindigkeiten auch der leichteren Pfeile enthält, berechnet sich das zu:
75,3%, 74,3% und 75,6% mit einem 50 grain leichteren Pfeil! 76,3%, 76,0% und 76,6% mit einem Standardpfeil. Dafür aber mit dem 50 grain schwereren Pfeil: 77,1%, 77,4% und 77,5%.
Aus den obigen Zahlen geht ganz klar hervor, dass Bogen Nr. 2 völig wertlos ist, man das Ding sofort in die Tonne treten sollte, denn niemand wird jemals was damit treffen. Richtig? :-)
Da fast alle unsere Bögen aus englisch sprachigen Ländern kommen, nehmen wir uns jetzt eines Begriffes an, der genau die gleiche Zeitverschwendung ist: Hystersis. Was das ist? Gute Frage. Es ist die akademische Berechnung des Reibungswiderstandes z.B. der Achslager an den Wurfarmenden. Also, theoretisch könnten wir unseren Bogen um 1 FPS schneller machen. Aber was bringt uns dieser 1 FPS im Verhältnis zum Aufwand? Außerdem, wenn der Bogen drei Pfund verloren hat, weil Du vielleicht die Bogenwaage nicht richtig angesetzt hast und meiner hat 4 Pfund verloren ist das meistens der Beweis für das mythische "Hystersis". Wieviel Ringe bringt es mir garantiert mehr, wenn ich "Hystersis" ausschalte?
(Sich mit der Bogenwaage vertun, z.B. irgendwo während des Zuges Spannung verlieren, ist der nächste Grund warum Schützen einen Pfeil mit falschen Spine-Wert schießen. Sie glauben eben, der Bogen habe weniger Leistung als er tatsächlich hat.)
So, wenn alle diese Messungen gemacht sind, mit 6-7 Auszugslängen, mit 4 verschiedenen Spitzenzuggewichten bei allen 12 Modellen die in diesem Jahr angeboten werden....
Es wäre unglaublich viel Arbeit, viele Stunden verlorener Zeit, und würde nur Verwirrung produzieren und sogar Beschwerden: "Mein Bogen ist außerhalb der Spezifikationen". Wenn Du also nur die 30/60/540 Variante hast, kannst Du erwarten dass der Unterschied bei Deiner speziellen Einstellung (Auszugslänge, Gewicht, etc.) ziemlich gleich ist.
Mein Rat, vergiss mal den Hype und die Werbung. Geh an die Sache heran mit der Einstellung: Das Einzige was mein Bogen für mich tun kann, ist die Bestimmung der Pfeilgeschwindigkeit, abhängig vom Pfeilgewicht. Das gibt Dir die Sicherheit, dass es eben nur auf Dich allein ankommt ob Du triffst oder nicht. Die meisten Schützen ziehen zu schnell die Schlußfolgerungen aus den unbegründeten Aussagen Anderer. Nochmal meine Bitte, bei jedweder Änderung frage Dich selber oder Deinen Trainer:
Wenn ich diese Änderung mache, wieviel Verbesserung bringt es mir GARANTIERT bei gleichem Aufwand meinerseits?
Nun, dies alles ist meine Meinung. Muß nicht zwingend für Dich richtig sein. Aber ich hoffe, es hilft Dir ein wenig, Deine karge Freizeit mit mehr Spaß beim Bogenschießen zu verbringen.


