Carbon Pfeile richtig tunen
ACHTUNG! Vor dem Zusammenbau der Pfeile empfehle ich Dir, den Artikel:
Pfeilbau zu lesen!
Bedingt durch eine heftige Diskusssion im Bogensport-Forum, wurde mir klar, den meisten Schützen ist nicht geläufig, wie sie mit reinen Carbon Pfeilen umgehen sollten. Es hält sich nach wie vor ein Gerücht ganz hartnäckig:
Carbon Pfeile sind Mist, weil so unpräzise hergestellt und eignen sich damit nur für Anfänger. Diese Aussage ist heute, im Jahre 2009, einfach nur falsch! Wenn wir von GUTEN reinen Carbon Schäften ausgehen, ist es, allerdings mit ein wenig Aufwand, möglich, diese Pfeile in einem Bereich gruppieren zu lassen, der sich durchaus mit ACE oder X10 messen kann!
So, da ich auch nicht JEDEN Pfeil testen kann, der draußen am Markt ist, rede ich hier nur über zwei Marken, die in Deutschland problemlos zu bekommen sind. Einmal der "ProSelect" von CAE und den "McKinney" von Carbon-Tech.
OK, wie ist nun der normale Weg, den ein Schütze geht, der sich neue Pfeile bestellt?
In der Regel bestellt er sie bei dem Händler seines Vertrauens fertig befiedert mit eingeklebter Spitze und aufgesetzter Nocke. Nur recht wenige Schützen machen sich die Arbeit und befiedern ihrfe Pfeile selber.
Die Pfeile sind angekommen und nun geht der Schütze her und schießt seine Pfeile aus. Das heißt, er schießt ein ganzes Dutzend, nimmt die sechs Pfeile die am besten gruppieren für den Wettkampf und die anderen fürs Training. Das ist so der "normale" Weg. Und genau SO, sollte man bei Carbon Pfeilen NICHT vorgehen!
Nun, Carbon Pfeile haben gegenüber Aluminium-Pfeilen und gegenüber den Komposit-Schäften (X10, ACE, ACC) einen kleinen Nachteil. Dieser Nachteil heißt: SPINE. Will sagen, es gibt winzig-kleine Abweichungen in der Wandstärke der Pfeile. Und wie man/frau damit umgeht ist das "Geheimnis". Allerdings gibt es gegenüber den Komposit-Schäften einen ganz erheblichen Vorteil: Der PREIS!
Selbst die teuersten Carbon-Schäfte kosten im Schnitt nur die Hälfte (ACE) bis ein Drittel (X 10) der Komposit-Schäfte.
Was ist zu tun?
1. Bestelle keine fertigen Pfeile! Nur die Komponenten. Also: Schäfte, Break-Of-Spitzen, Fletchen und Nocken.
Die Schäfte kannst Du fertig zugeschnitten (also auf Deine passende Länge gekürzt) bestellen.
2. Du solltest haben: Ein Befiederungsgerät und eine Grain-Waage.
Beides zusammen kostet ca. 100,- Euro.
Dieses Geld hast Du gegenüber ACE oder X10 schon bei der ersten Bestellung rein geholt.
Schritt 1:
Die Spitzen werden an Dein bevorzugtes Spitzengewicht angepasst. (Durch Abknicken der der Segmente.)
Nun steckst Du die Spitzen in die Schäfte. NOCH NICHT EINKLEBEN! Jetzt jeden einzelnen Schaft mit Spitze auf die Grain-Waage. Gewicht aufschreiben! Sollte es Gewichtsabweichungen im Dutzend geben (wird es geben!) an den Segmentenden, mit einem Dremel o.ä., etwas Material abschleifen, bis alle Pfeile das gleiche Gewicht haben. Erst jetzt die Spitzen ein kleben. Mit einem 2-Komponenten-Kleber! Von Heißkleber rate ich ab.
Schritt 2:
Setze die Nocken auf! Ich empfehle hier BEITER Outnocks! Sollte etwas Spiel da sein, mit ein wenig Teflon Band anpassen. NOCH NICHT BEFIEDERN! Jetzt, mit einem passenden Stift, die Pfeile durch NUMMERIEREN! und eine einzelne, kleine Markierung kurz vor der Nocke. Punkt oder kleiner Strich.
Schritt 3:
Hänge Dir ein paar Hallen-Spots auf 18 Meter und stelle Dein Visier passend ein.
Und nun gibt es ein wenig Arbeit. GROUP TUNING! Nimm jeweils 3 Pfeile pro Spot und versuche Gruppen zu schießen. MIT DEN UNBEFIEDERTEN SCHÄFTEN! Du wirst feststellen, dass die Durchmesser der Gruppen zwischen 4 cm und 10 cm! liegen. Nun, das ist ja nicht eben prickelnd. :-) (Schreibe Dir genau auf, wo, welcher Pfeil sitzt!)
Jetzt fange an, die Nocken zu drehen!
Als erstes, drehe die Nocken um 180 Grad. (1/2 Umdrehung) und schieße die Pfeile weiter. Die vorherige Oberseite des Pfeiles ist jetzt die Unterseite.(Aufschreiben wo der Treffer sitzt!)
Als zweites, drehe die Nocken um 90 Grad (1/4 Umdrehung) so das jetzt die Ober- uder Unterseite, die Seite des Schaftes ist.Weiter schießen und aufschreiben. Sie werden alle an sehr unterschiedlichen Stellen treffen.
Je nach dem, wie die Nocke steht, werden rechts - links Abweichungen als auch hoch - tief Abweichungen auftreten.
Ich habe es schon erlebt, dass ich bis auf 1/16 Umdrehung gehen musste! Nun, Du wirst es hin bekommen, dass Deine Schäfte in einem Durchmesser von 3-4 cm gruppieren. Mache Dir an der optimalen Position eine Markierung über Schaft UND Nocke! Das das nicht aus Versehen was verrutscht!
Schritt 4:
Jetzt, so wie die Nocken stehen, werden die Pfeile befiedert. Die besten Erfahrungen habe ich mit 1,75" bis 2" Fletchen gemacht. Du wirst feststellen, dass diese Pfeile jetzt innerhalb von 2 cm gruppieren. (Auf 18 Meter.) :-)
Ich habe diese Tuning Methode mit zwei verschiedenen Pfeilsorten und zwei verschiedenen Bögen ausprobiert. Das Resultat war immer das Gleiche. Es funktioniert!
Es ist einfach so, dass Carbon Schäfte eben Abweichungen im SPINE oder in der äh, "Geradigkeit"? haben.
Wenn Du aber die Rohschäfte schießt, wirst Du eine Schaft-Nocke Einstellung finden, dass sie trotzdem extrem gut gruppieren und keinen Vergleich scheuen müssen. Bestellst Du sie aber fertig, brauchst Du schon Glück, dass sie treffen wohin Du zielst.


