Was ist eigentlich "Forward of Center" (FOC)
und wie wird er bestimmt? (neu überarbeitet)
Was bedeutet FOC?
FOC ist die Abkürzung für "Forward of center". Es wird allerdings allgemein benutzt für den Begriff: "Gewicht vor dem Mittelpunkt des Pfeils."
Was heißt das... Der FOC beschreibt, wie weit der Balancepunkt vom Mittelpunkt des Pfeils entfernt ist. Spezifiziert wird FOC als Verhältnis in Prozent zwischen Balancepunkt und Mittelpunkt des Pfeils. Für die praktische Anwendung des Schützen ist diese Erklärung völlig ausreichend.
Will es jemand ganz präzise:
FOC ist der Prozentsatz zwischen dem Schwerkraftausgleich des Pfeils und Druckmittelpunkt (DM). Also an der tiefsten / höchsten Stelle, wenn sich der Pfeil biegt. Der DM ist dynamisch bei einem fliegenden Objekt und wechselt bei unterschiedlicher Antriebskraft, Widerstand (spine) und Windkraft. Aber für's Bogenschießen reicht der DM als Mittelpunkt völlig aus. Ist die korrekte FOC Bestimmung wichtig für die Flugeigenschaften des Pfeils? Nun, wenn Du die Flugbahn einer Rakete berechnen willst, die 2.000 KM entfernt eine Briefmarke treffen soll, EXTREM wichtig. Für Bogenschützen nicht wirklich. Für uns reicht ein relativer Referenzpunkt. Aber diesen Referenzpunkt brauchen wir. Der FOC Punkt ist der Drehpunkt
des Pfeils. Je weiter vorne umso länger ist der Hebel der Befiederung. (Der hintere Hebel!) Je länger der Hebel ist umso mehr Druck wird über die Befiederung ausgeübt. Stabilisierungseffekt. Ein höherer FOC Wert vereinfacht also die Arbeit der Befiederung. Wenn wir das also ändern wollen, sagt uns der ausgerechnete FOC, wo wir sind, in welche Richtung wir gehen müssen und wie viel wir ändern müssen.
Aber wie viel FOC brauchen wir tatsächlich?
Nun, das hängt ein wenig davon ab, was Du schießen willst. EASTON gibt folgende Werte nach der AMO Formel an:
FITA = 11% bis 16%
3-D = 6% bis 12%
Feld = 10% bis 15%
Jagd = 10% bis 15%
FITA Schützen schießen die weitesten Entfernungen. Sie brauchen den höchsten FOC, weil der Pfeil sehr stabil im Flug sein muss. Viel FOC gibt viel Stabilität bei kleinerer Befiederung. Kleine Befiederung hat weniger "drag" und ist unempfindlicher gegen Seitenwind. Diese Faktoren sind eben auf 90 Meter sehr wichtig.
Es ist möglich Pfeile mit einem negativen FOC zu schießen. Dies sieht man ab und zu bei FLIGHT Schützen. Das funktioniert, wenn der "drag" ausreichend ist, um zu verhindern, dass sich der Pfeil im Flug überschlägt. Die meisten FLIGHT Schützen nehmen einen neutralen bis ganz minimalen FOC. Das gibt dem Pfeil einen "Nase nach oben" Effekt mit. Also einen längeren Flug.
Jäger brauchen einen hohen FOC. Die Jagdspitzen versuchen die "Lenkung" zu übernehmen. Die Befiederung muss dagegen ankommen und mit einem hohen FOC, längerem Hebel, ist das einfacher. Außerdem ist die Auftreffenergie höher. Je kürzer der Pfeil, umso höher muss der FOC sein! Kurze Pfeile sind instabiler im Flug.
Wie misst man nun den FOC korrekt?
Die AMO Formel misst die Schaftlänge OHNE insert und Spitze. Eine andere Formel nutzt die gesamte Länge des Pfeils INKLUSIVE der Spitze. Welche ist jetzt korrekt? Keine! Der tatsächliche FOC basiert auf dem Druckmittelpunkt. Bei beiden Formeln wird der DM nur simuliert. Die AMO Formel wurde Standard, weil der "simulierte Punkt" näher am tatsächlichen DM während des Fluges liegt.
Es ist wie mit spine Messungen. Der Standard beschreibt, wie weit sich ein Pfeil biegt, mit einem spez. Gewicht in der Mitte bei 28" Abstand der Auflagepunkte. Es sagt NICHTS darüber aus, wie sich der Pfeil im Flug verhält. Wir haben nur einen Anhaltspunkt um Pfeile in statischer Ruhe relativ mit einander zu vergleichen. Das ist der Grund, warum Pfeil tuning zum Bogen so wichtig ist. Keine statische Messung oder Berechnung kann die Myriaden von Variablen berücksichtigen, die entstehen, wenn ein Pfeil von einem Bogen abgeschossen wird. Das ist der Grund, warum EASTON neben seinen Charts ein 35 Seiten Manual (Tuning guide), rausgibt. Die Charts geben keine "magische Nummer" aus die sagt: NIMM MICH, ich bin der richtige Pfeil. Bei der Bestimmung des FOC ist es das Gleiche: Relativ! Keine Formel ist richtig oder falsch. Beide dienen nur einem Zweck Den Referenzpunkt zu bestimmen. Und solange man weiß, welche benutzt wurde, kann man die Resultate wiederholen.
Ach ja, Auftreffenergie. Die Länge vom Schwerpunkt zur Spitze.... Je kürzer diese Sektion ist, umso steifer ist sie. Je steifer, umso weniger Biegung im Flug. Je weniger Biegung, umso mehr Auftreffenergie. Voila.
Hier noch einmal die AMO Formel:
1. Messe vom Nockboden bis Schaftende, OHNE insert und Spitze.
2. MIT Spitze, bestimme den Balancepunkt (wenn es sehr genau sein soll,
lege den Pfeil auf einen Messerrücken), Markiere den Punkt.
3. Messe vom Nockboden bis zum Balancepunkt.
4. Dividiere die Länge bis zum Balancepunkt durch die Schaftlänge.
5.Vom Ergebnis substrahiere 0,50
6. Multipliziere mit 100
Das ist Dein FOC in Prozent. (%)
Formel:
Nockboden bis Balancepunkt
% FOC = ------------------------------------------ Minus 0,50 X 100
Schaftlänge
Aber, wie bei allen Faktoren, diese Messungen sind nur Zahlen. Es sind relative Werte. Sie haben nur eine Aussagekraft beim Vergleich eines Pfeils zum anderen.
Noch einmal: Der Prozentsatz des FOC sollte mindestens 9 - 12% bei Target Pfeilen betragen.



