Was sehr häufig übersehen wird - Die Nocke!
Die meisten Schützen verbringen unglaublich viel Zeit mit dem
Setup ihrer Ausrüstung. Die Besten sind extrem geduldig, ihre
Auszugslänge bis auf den letzten Millimeter anzupassen. Sehr vorsichtig
wird die Pfeilauflage eingestellt, das Peep exakt ausgerichtet.
Alle Achsen des Visiers werden auf den 1/10 mm ausgerichtet.
Viele achten SEHR genau auf Pfeilgewicht, Länge, Spitzengewicht,
Spine und wie die Fletchen geklebt sind.
Was mich immer wieder wundert, wie wenig diese Schützen auf ihre
Nocken achten. Außer, sie sind kaputt oder passen nicht auf die Sehne.
Erst DANN sind sie alarmiert und unternehmen etwas.
Nun, was hat man schon zu verlieren, außer ein paar Ringen, wenn man
sich nicht um die Nocken kümmert?
Ich werde hier nicht über Hersteller reden. Welcher Hersteller, wie weit
von den gegebenen Werten abweicht. Das ist nicht der Punkt.
Ich habe in vielen Jahren die unterschiedlichsten Nocken verwendet.
Von den ganz Billigen bis zu den SEHR teuren.
Immer wieder habe ich festgestellt, dass man auf diese kleinen
Plastikdinger sehr sorgfältig achten muss. Es zahlt sich aus.
Schritt 1: Nocksitz auf der Sehne prüfen!
Bei ALLEN Herstellern, auch bei den Teuren, habe ich signifikante
Unterschiede festgestellt, wenn ich eine komplette Charge geprüft habe.
In einem 100 Stck. Beutel findet man immer wieder mehrere, die unterschiedliche
Öffnungsgrößen haben. Wenn man das nicht überprüft, weiß man es nicht,
bis es zu spät ist, man eine Nocke im Wettkampf wechseln will und sie
passt nicht richtig auf die Sehne.
1. SOFORT ALLE Nocken aus einer Packung kontrollieren, ob sie auf
die Sehne passen. Die, die nicht passen, egal ob zu weit oder zu eng,
AUSSORTIEREN!
2.Wenn man eine Nocke wechselt und bevor der Pfeil mit der neuen
Nocke geschossen wird, die Nocke auf die Sehne setzen und ca. 15
mal aufstecken und wieder abziehen. Das erlaubt der Nocke, sich an
die Sehne anzupassen, sich zu gewöhnen! Nicht perfekt aber immer
noch besser als gleich zu schießen, während alle anderen Nocken schon
unzählige Male geschossen wurden.
Dieses Prozedere im Wettkampf kann man vermeiden, wenn man das
sofort tut, wenn man die Packung geöffnet hat.
Schritt 2: Nocken auswiegen!
Normalerweise sollte man denken, alle Nocken eines Typs, desselben Herstellers
wiegen auch dasselbe. Falsch gedacht.
Es gibt Unterschiede bis zu 3 Grains!!
Wir haben vor ein paar Tagen gehört, ein paar Grains sind nicht so wichtig
für die Trefferlage. Richtig! ABER: Sagen wir mal 1-2 Grains bei der Nocke,
nochmal 2-3 Grains bei der Spitze, beim Schaft, bei den Fletchen und so
langsam wird es kritisch!
Also auswiegen und nach Gewicht sortieren. Lege einen kleinen Zettel
mit in die Tüte der unterschiedlichen Gruppen.
ACHTUNG! Unterschiedliche FARBEN desselben Typs von Nocke, haben
unterschiedliche Gewichte! Außer, Du weißt genau, das ist das gleiche
Gewicht: NICHT mischen!
Schritt 3: Nocken ausrichten!
Viele Schützen, besonders wenn sie eine "Fall Away" schießen, stehen
der präzisen Ausrichtung ihrer Nocken ein wenig gleichgültig gegenüber.
Sogar, wenn sie eine Federblech-Auflage benutzen. Sie denken, dass dieser
halbe Millimeter nicht so viel ausmacht.
Ich denke, die Meisten hier wissen Bescheid über den "Pudertest", richtig?
Mit dem Pudertest kann ich noch mehr überprüfen als nur, ob die Vanes an
der Pfeilauflage schleifen. Ich kann auch die Ausrichtung der Nocken überprüfen.
Denn wenn die Vanes die Auflage berühren, kann ich sehen, wie die Nocke ausgerichtet ist und ob alle Pfeile die Auflage GLEICH berühren. Man sollte wirklich JEDEN Pfeil genau prüfen.
Dafür gibt es verschiedene Methoden.
1. Per Augenmaß, von Pfeil zu Pfeil. Das reicht für die meisten "Fall away" Auflagen aus. Für Federblech- oder Prong-Auflagen ist die Methode NICHT genau genug!
2. Es gibt die verschiedensten "Nock Alignement Tools".
Es gibt sie von Björn, Apple und was weiß ich, von wem noch. Meist bei
EBay recht günstig zu kriegen.
3. Selber einen bauen. Ich habe mal vor ca. 2 Jahren einen Selfmade im BSF
gepostet. Muss ich mal raus suchen. Man braucht nur einen "Indikator" um die
Nocken sauber auszurichten.
4. Die sicherste Methode: Ich schieße einen Pfeil sauber mit Puder aus und stelle
sicher, dass er sauber aus der Auflage kommt. DIESER PFEIL ist der Standard.
Ich lege ihn einfach auf einen Tisch mit der Cock vane nach oben. Alle anderen
Pfeile lege ich neben dran. Jetzt knie ich mich vor den Tisch, die Nocken auf
Augenhöhe. Orientiere mich an der Nocköffnung und sehe sehr genau, wo es passt
und wo nicht. Hilfreich ist eine Digitalkamera mit Makro Funktion.
Schritt 4: Markieren
So, mitten im Wettkampf müssen wir eine Nocke wechseln. Wie stellen wir sicher,
dass die Nocke exakt die gleiche Ausrichtung hat?
Das Zauberwort heißt "Markierung". Sind alle Pfeile ausgerichtet, markiere ich die
Ausrichtung mit einem sehr dünnen Gold- oder Silberstift. Jede Nocke hat ihr kleines
"Fähnchen". Außer, "B****r" und einige Pin-Nocks. Nun, die haben dafür eine
Gussnaht. Ich ziehe einen sehr dünnen, kurzen Strich übers Fähnchen und Schaft.
Damit stelle ich sicher, dass die neue Nocke exakt an der gleichen Stelle sitzt.
Schritt 5: Nocken wechseln.
Viele Schützen wechseln selten ihre Nocken. Sie schießen den gleichen Typ,
egal ob leichte ACEs oder NanoForce draußen, oder eben schwere Alupfeile
in der Halle. Es gibt da Indoor-Pfeile mit über 500 oder gar 600 Grains.
Durch den erhöhten Druck auf die Pfeilauflage im Vollauszug, kann der hintere
Teil nach oben gehen. Wie Alles unter einer gewissen Spannung, kommt es zur
Ermüdung. Besonders bei einem so kleinen Plastikteilchen, das die ungeheuren
Kräfte aushalten muss, die eine Compoundsehne beim Abschuss ausübt.
Nummeriere die Pfeile und schieße sie in der Reihenfolge.
Generell sollte man JEDEN Pfeil überprüfen, der nicht in der Gruppe sitzt!
(Außer man weiß genau, das eben war ein sau-schlechter Schuss.)
Gerade draußen hat man oft Beschädigungen, die man nicht direkt sieht!
So eine kaputte Nocke hat mich 2001 einen Satz Wurfarme für einen
Oneida LiteForce Magnum gekostet. Die Nocke war getroffen, ich habe nicht
darauf geachtet, den Pfeil wieder eingesetzt und der ist IM VOLAUSZUG, ohne
dass ich es gemerkt hätte, ins Gras gefallen. Trockenschuss!!
Die Hallensaison sollte mit NEUEN Nocken, die perfekt ausgerichtet sind,
begonnen werden! Alle 3.000 - 4.000 Schuss pro Pfeil, die Nocken wechseln!
Vor einigen Jahren noch, als ALLE in der Halle Alupfeile geschossen haben, konnte man viele Schützen sehen, die ihren Pfeil auf der Handfläche gedreht haben. So stellte man schnell fest, ob ein feil noch gerade war oder einen "Treffer" hatte. Die Top-Schützen haben damit auch die Nocke überprüft. Auch wenn sie nicht darüber geredet haben. Wenn der Pfeil sich sehr schnell dreht, kann man es sehen!
Heute sehe ich das nur noch sehr selten, weil sich die Carbon-Pfeile eben nicht verbiegen.
Es ist irgendwie eine aussterbende Kunst.
Die Top-Schützen machen das auch mit ihren Carbonpfeilen. Sie haben gelernt,
das nicht zu tun, kann Ringe kosten! Heute überprüfen wir die Rundlauffähigkeit
des Pfeils nicht mehr in der Hand, aber ob die Nocke noch sauber sitzt kann
man eben auch bei einem Carbonpfeil damit sehr genau erkennen.
Ach ja, Inserts....
Einige kleben ihre Inserts ein. Andere bevorzugen ein klein wenig Teflonband
um das Insert zu sichern. Ist das Insert NICHT verklebt, sollte man auch
das Insert über den Schaft markieren. Das Gleiche gilt natürlich auch
für Pins und Pin-Nocks.
Generell:
Wäre es nicht irre, bei einem Wettkampf NUR Zweiter zu werden,
wegen eines kleinen Stückchens Plastik?
So zu sagen: Knocked out by a Nock?


