Auswahl des richtigen Pfeiles
Welche Pfeile Du benutzen solltest?
Es ist noch nicht SO lange her, da war diese Frage sehr leicht zu beantworten. Du kauftest die besten Aluminium Pfeile von Easton die Du Dir leisten konntest. Anfang der 80iger, als ich anfing, kostete ein Dutzend X7 ca. DM 150.- Wenn Du jetzt die Inflation berücksichtigst, kannst Du den Preis heute mit ACEs vergleichen.
Heute ist die Frage "etwas" schwieriger zu beantworten. Alu, Carbon oder Komposite? "Barreled" oder Parallel? Ultra-dünne Stricknadeln oder Besenstiel mit Federn? Dünne Wand für Speed oder dicke Wand für Haltbarkeit? So geht es weiter und weiter und jeden Tag erscheint was Neues auf dem Markt. Also, lass uns mal einen Blick auf die wichtigsten Auswahlkriterien werfen.
Mindest Pfeilgewicht
Ein wichtiger Teil der Auswahlkriterien für den richtigen Pfeiltyp, dreht sich um die Frage des richtigen Pfeilgewichtes. Es wird dadurch beeinflusst, dass jeder die leichteste Kombination von Schaft und Spitze haben möchte, die er eben noch tunen kann. Wie auch immer, es ist wichtig, nicht unter das Minimum-Sicherheitsgewicht zu gehen. Wenn Du es tust, kommt das einem "Trockenschuss" gleich und Du verlierst die Hersteller-Garantie. (Ich persönlich habe mir damit einen Satz Wurfarme an einem Oneida LiteForce ruiniert.) Auch kann dadurch der Pfeilschaft beim Abschuss beschädigt werden und Dich verletzen.
Nachfolgende Tabelle zeigt die Minimal-Gewichte des ganzen Pfeiles. Inkl. Spitze, Nock, Inserts und Fletchen. GEH NICHT DARUNTER!
Empfohlenes Mindestpfeilgewicht
Aluminium Schäfte
Metalllegierungen sind auf keinen Fall von Carbon und Komposites verdrängt worden. Sie werden nach wie vor benutzt und sind für Anfänger eigentlich die beste Wahl. Sehr preiswert und leicht zu tunen. Auch in der Halle sind sie nach wie vor gut zu gebrauchen. Wie gesagt, preiswert, Wind spielt keine Rolle und da sie exakt den Regeln entsprechen (23xx) gut für ein paar Extrapunkte.
Sie haben 2 Nachteile gegenüber Carbon oder Komposites. Sie sind schwer und dick! Weil sie schwer sind, sind sie vergleichsweise langsam und weil sie dick sind, sind sie Wind anfällig.
Im Allgemeinen sind sie keine gute Wahl für unbekannte Entfernungen oder überhaupt für FITA. Für unbekannte Entfernungen ist, durch ihr Schneckentempo das Schätzen kritisch. Und durch den Wind-Drift auf die langen FITA Entfernungen auch hier nicht zu empfehlen.
Carbon Schäfte
Pure Carbonschäfte kommen jetzt erst so langsam in die Jahre. Bis vor ein paar Jahren waren sie, ganz offen gesagt, nur Müll! Maximal zu empfehlen als Stäbe zum Drachenbau. Auf keinen Fall für den Highend- Bereich der Schützen. Reine Carbonschäfte sind gewöhnlich etwas schwerer als vergleichbare barreled Kompositschäfte. Dafür ein wenig leichter als gerade Kompositschäfte und sehr viel leichter als passende Alu-Schäfte.
Carbonschäfte gibt es in zwei völlig verschiedenen Typen. Der erste Typ ist vergleichsweise dick. (Obwohl nicht so dick wie ein Alu-Schaft.) Spitze und Nocke sind in den Schaft integriert. Beispiel: Easton Redline. Der zweite Typ ist sehr dünn, mit "outserts", also außen liegenden Nocken und Spitzen. Beispiele: Die Linie von CarbonTech und die alten Bemans. Es gibt mittlerweile sehr preiswerte und trotzdem gute Carbonschäfte auf dem Markt, die für Anfänger und Vereine gut geeignet sind. Die Spitzenprodukte liegen preislich zwischen den Alus und den Komposits.
Die Redline Typen sind fast so leicht wie Kompositschäfte aber sehr viel billiger und haben nicht den Nachteil von Outserts. Outserts sind in der Regel verantwortlich für ein wenig "drag" (Fallschirmeffekt), sie bremsen also etwas. Diese Sorte Pfeile sind auch etwas schwerer aus der Scheibe zu ziehen.
Zwei Nachteile gibt es bei Redline Typen. Weil sie dicker sind, sind sie anfälliger für Wind und es gibt z.Z. einige Zweifel, ob sie im Laufe der Zeit gerade bleiben.
Der Hauptvorteil von dünnen Carbonschäften ist ihre relative Windunempfindlichkeit durch das schmale Profil und ihre vergleichsweise hohe Dichte.
Zusammengefasst, der Redline Typ ist gut für bekannte Feld-Distanzen wo Wind nicht so das Thema ist. Schießt Du nur FITA, sind die schmalen CarbonTech Typen oder Komposits besser.
Komposit Schäfte
Komposit Schäfte haben innen eine dünne Röhre aus Aluminium und außen eine oder mehrere Lagen aus Carbon rund um die Zentralröhre. Einige Komposits sind parallel, wie z.B. die ACC von Easton oder die Pfeile von DooSung. Diese Pfeile sind beträchtlich leichter als die vergleichbaren Alu-Pfeile. Dafür schwerer als reine Carbonpfeile. Wie dünne Carbons sind sie gut im Wind und wahrscheinlich z.Z. die beliebtesten Pfeile für den Compound. Sie sind billiger als die "Barreled" Schäfte, aber teurer als reine Carbons.
Das Ende der Fahnenstange bei Kompositschäften sind die ACEs und X10 von Easton. Sie sind "barreled". Das heißt, an den Enden (vorn und hinten) dünner als in der Mitte. Die äußere Carbonschicht ist am dicksten ca. 2/3 auf der Länge des Schaftes und dünnt zu den Enden hin aus. Das heißt, der Pfeil ist am steifsten da, wo er die Biegekräfte des Abschusses aufnehmen muß und bringt auf dem Rest kein unnötiges Gewicht mit. Wie z.B. parallele Schäfte. ACEs sind die leichtesten, dünnsten und schnellsten Pfeile von allen. Aber, es gibt nicht NUR Gutes. Weil sie so leicht sind, sind sie auch etwas anfällig für Winddrift (obwohl sie so dünn sind) und weil sie so leicht sind und damit auch ideal für einen Recurve, sind sie in mancher Hinsicht etwas gefährlich für den Compound. Das war einer der Gründe, warum Easton den X10 entwickelt hat. Schwerer, aber noch dünner als ACEs.
Der größte Nachteil der barreled Schäfte ist ihr Preis! ACEs kosten doppelt so viel wie fast jeder andere Schaft und X10er sind noch teurer. Dies wird noch verschlimmert durch die Tatsache, dass ACEs und X10er nur im Dutzend verkauft werden. Dieses Dutzend matched zwar exakt, aber es ist nicht möglich, durch die barreled Form, das Gewicht maschinell über mehrere Dutzend exakt passend zu halten. (Sagt Easton) Folglich werden nach der Herstellung passende Dutzend zusammen geführt.
Generell, parallele Kompositschäfte sind gut für Compound, speziell für FITA, obwohl ich mich frage ob sie das extra Geld gegenüber Vollcarbon wert sind. ACEs sind ein notwendiges Übel für Recurve-Schützen, denn nichts anderes bringt derartig gute Gesamt-Resultate. Für Compound möchte ich hier meine Hand nicht ins Feuer legen. (Obwohl ich sie selber schieße und gut zufrieden bin.) Sie sind für einen harten Compound doch recht empfindlich. Ich persönlich kenne nur einen Compounder der X10er schießt. (Von seinem eigenen Geld.) Einige gesponserte Schützen schießen sie und loben sie natürlich. :-)
Zusammenfassung:
Wie immer, Du mußt bezahlen also wählst Du aus. Aber hier nochmal die wichtigsten Punke:
Aluminium:
Billig und einfach zu tunen. Verbiegen sich, sind aber auch (wenn nicht zu heftig) leicht zu reparieren. Schwer, dick und dadurch langsam.Nicht gut im Wind.
Zu empfehlen für: Halle
Nicht zu empfehlen für: Unbekannte Entfernungen, FITA im Freien.
Insert Carbonschäfte (z.B. REDLINES):
Die preiswertesten von den guten Carbonschäften. Verbiegen sich nicht (?) aber ziemlich zerbrechlich. Sehr leicht aber vergleichsweise dicker Durchmesser. Sehr schnell, aber nicht so gut im Wind wie andere Carbon oder Kompositschäfte.
Zu empfehlen für: Alle Feld-Formen, 3D
Nicht zu empfehlen für: FITA im Freien.
Outsert Carbonschäfte:
(eg CARBON TECH): Etwas teurer als Redline Typ. Schwerer als Redlines, ungefähr wie ACCs. Verbiegen nicht, ziemlich robust. Gibt durch die Out-Nocken evtl. Problem mit der Pfeilauflage, wenn es keine Fall-away ist. Gut im Wind.
Zu empfehlen für: Alle Formen im Freien.
Nicht zu empfehlen für: Halle.
Parallele Kompositschäfte: (z.B. ACC)
Teuer. Schwerer als Redline und Barreled. Verbiegt sich und kann NICHT gerichtet werden. Aber, recht robust, verbiegen nicht so leicht. Gut im Wind.
Zu empfehlen für: Alle Formen im Freien. (sp. Compound)
Nicht zu empfehlen für: Halle.
Barreled Kompositschäfte: (ACE, X10)
SEHR teuer! ACE ist der leichteste und schnellste von allen Schäften und fair im Wind. X10 ist schwerer - ungefähr wie der ACC - aber sehr viel dünner und deshalb weniger "drag". Der Beste von allen Schäften im Wind.
ACEs
Exzellent für: - Alle Formen im Freien mit Recurve.
Ansichtssache: ACEs mit dem Compound.
Nicht zu empfehlen für: Halle.
X10er
Zu empfehlen für: Den Profit des Herstellers und eine dünne Handvoll von Elite-Schützen, die außerdem auch die Einzigen zu sein scheinen, die die Dinger getuned kriegen.
Ansichtssache: Der klare Verstand von jedem Anderen der die Dinger kauft.
Nicht zu empfehlen für: Dein Konto.


