Entfernungen "schätzen"!
Eine der besten Erklärungen stammt von einem Schützen, den wohl viele als user "Mantra", aus dem "Bogensport-Forum" und dem Forum "Die Bogenpresse", kennen.
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Generell funktioniert das Messen mit dem Compound und dem Recurve gleich. Ich erkläre es aber zuerst mal für den Rec da der mathematische Hintergrund dort aufgrund fehlender Vergrößerung einfacher ersichtlich ist!
Beim Messen wird das Prinzip des Strahlensatzes verwendet in welchem man 3 bekannte Größen in Zusammenhang bringt und somit eine Vierte aber unbekannte Größe (Entfernung vom Auge zur Scheibe) sehr genau errechnen kann.
Als erstes ist etwas Vorbereitung am Matereial erforderlich. D.h. das man frühzeitig vor einem Wettkampf das Messen trainieren sollte, da man höchstwarscheinlich alle Visiereinstellungen neu ausschießen muss!
Die von mir gewählten Einstellungen sind jetzt erstmal willkürlich gewählt und können individuell angepasst werden. Wichtig ist einzig das die Verhältnisse zwischen den einzelnen Maßen bekannt und geschickt gewählt sind!
Beginnen wir also beim Recurve:
Als erstes Ausstattungsmerkmal wählen wir einen Korntunnel der eine quadratische Außenform hat. Die Kantenlänge soll exakt 10mm betragen. Anbieten tut sich hier der Korntunnel von Spigarelli da er sehr definierte Kanten hat. Der 8mm Beiter hat außen auch eine Kantenlänge von 10mm, ist aber leicht abgerundet was einige Schützen stört.
Nun verschiebt man den Visierausleger so, das der Abstand zwischen zielendem Auge und Korntunnel im Vollauszug exakt einen Meter beträgt.
Nun stellen wir uns vor, wir stehen im Vollauszug so vor einer Wand das der Korntunnel die Wand gerade berührt. Das hat zur Folge das der Abstand vom Auge zur Wand nun exakt einen Meter beträgt. Von hinten betrachtet verdeckt der Korntunnel nun einen Bereich der genau 1cm breit ist.
Daraus lässt sich ein lineares Verhältniss ableiten. Bei einem Meter Entfernung verdeckt er eine 1cm breite Fläche. Bei 10m Entfernung verdeckt er eine 10cm breite Fläche. Bei 20m Entfernung verdeckt er eine 20cm breite Fläche usw. usw.
Nun ist es im Feld wichtig (und meist auch nicht allzu schwer) den Durchmesser der jeweiligen Auflage (analog bei 3D die ungefähre Größe des Tieres) zu kennen. Sehe ich nun im Feld einen 3er Spot (Bunny) dann weiß ich das er einen Durchmesser von 20cm hat. Stelle ich mich nun in den Vollauszug und schaue wieviel von der Auflage durch den Korntunnel verdeckt wird, kann ich errechnen wie weit ich von der Auflage entfernt stehe.
Ist sie gerade komplett verdeckt, stehe ich 20m entfernt. Ist sie halb verdeckt, stehe ich 10m entfernt. Dies lässt sich dann auf einzelne Ringbreiten herunter rechnen. Bei einer 20er Auflage ist ein Ring 2cm breit (wenn man die 6 ignoriert und das halbe Gold als einen Ring betrachtet). Somit kann man sagen, das man ausgehende von der vollen Verdeckung der Auflage bei 20m Entfernung, für jeden Ring den man mehr sieht, 2 Meter näher an der Scheibe steht.
Halte ich also die linke Kante des Korntunnels links an der Auflage an und sehe auf der rechten Seite noch den 1ner Ring, stehe ich nun 18m entfernt. Sehe ich den 1ner und 2er Ring, stehe ich 16m entfernt usw.
Leute die in der Lage sind sehr ruhig zu halten, können natürlich auch mit halben Ringen oder noch höherer Unterteilung arbeiten!
Hat man den Bogen nun so eingestellt das er auf 20m eine 20er Auflage komplett verdeckt, dann verdeckt er auch eine 40er Auflage auf 40m, sowie eine 60er Auflage auf 60m und eine 80er Auflage auf 80m jeweils voll bzw. jeweils halb auf die halbe Entfernung der Auflagengröße (80er halb auf 40m).
Beim Compound funktioniert das im Prinzip genau so, nur das man hier nicht mit einem Augenabstand von einem Meter arbeitet, da das Verhältniss durch die Vergrößerung der Linse verändert wird!
Hier ist es auch zuerst mal wichtig sich zu überlegen welche Referenz am Bogen man zum Messen verwenden möchte. Gängig wären hier z.b. die Striche auf der Wasserwaage oder der Abstand zwischen Scope Gehäuse und Pin (oder Zielpunkt). Manche Leute (wie ich z.B.) haben auch nochmal einen extra Ring auf die Linse geklebt um ein anderes Referenzmaß zu erzeugen.
Messen über die Wasserwaage ist einfacher, birgt aber Fehler wenn man nicht exakt rechtwinklig zur Scheibe steht. In diesem Fall bietet es sich an einmal von links und einmal von rechts zu messen und das Ergebniss zu mitteln.
Beim Messen vom Gehäuse bis zu Pin hingegen hat man die Möglichkeit je nach Neigung der Scheibe horizontal, vertikal oder diagonal zu Messen, was den Fehler verringert.
Nachdem man sich ein Referenz zum Messen ausgesucht hat, hängt man sich verschiedene Auflagen auf. Ich nehme dazu meistens eine 60er auf 30m und eine 80er auf 40m.
Nun stellt man sich in den Vollauszug und gleicht die Refernz mit der Auflage ab. Je nachdem wieviel der Auflage verdeckt wird, ist es nun nötig den Visierausleger weiter raus oder rein zu schieben.
Das Ziel ist es das man mit seiner Referenz jeweils auf die Entfernung des halben Auflagendurchmessers, die halbe Auflage verdeckt. Beim Messen über GehäuseINNENkante und Pin würde das bedeuten, das ich bei einer Entfernung von 30m die Gehäusekante links an die Auflagenkante lege und der Pin dann exakt in der Mitte der 60er Auflage steht. Tut er das, steht er auch auf 40m exakt in der Mitte der 80er Auflage bzw auf 10m exakt in der Mitte der 20er Auflage und auf 20m in der Mitte der 40er Auflage.
Allgemein ist es dann so, das man pro Ring Differenz mehr oder weniger immer ein zehntel der Auflagengröße weniger oder mehr von der Scheibe entfernt ist.
20er Auflage: Ein Ring entspricht 2m Entfernung
40er Auflage: Ein Ring entspricht 4m Entfernung
60er Auflage: Ein Ring entspricht 6m Entfernung
80er Auflage: Ein Ring entspricht 8m Entfernung
Ein Ring mehr sehen bedeutet: Um Entfernung X näher dran
Ein Ring weniger sehen bedeutet: Um Entfernung X weiter weg
Als Referenz am Bogen lässt sich im Prinzig alles hernehmen was zu Verfügung steht. Blankbogenschützen verwenden z.B. recht häufig das Maß zwischen Bogenmittelteil und dem Ende der Kontermutter am Button. Wer sich also schonmal gefragt hat warum der Blanktyp beim Ausziehen 5m neben die Scheibe hält...
Nochwas anderes...Irgendwie finde ich es völlig daneben das in Unterhaltungen unter Feldbognern immer noch von Schätzen die Rede ist. Manche Leute sind in der Lage halbmetergenau zu messen, aber da Messen ja verboten ist, sprechen sogar diese Leute immer noch von "Schätzen"! Irgendwie find ich das ziemlich schräg. Auf der DM hab ich viele Leute gefragt wie sie das mit dem Messen machen und welche Refernz sie benutzen und da waren doch echt einige dabei die geantwortet haben: "Ich messe nicht, ich schätze! Messen ist verboten!" Da fehlen mir irgendwie echt die Worte!!!
Messen ist tatsächlich verboten, aber immerhin gibt es offiziell von der FITA inzwischen eine recht gute Anleitung wie das Messen funktioniert!
September, 2009
Mantra


