Gesammelte Fragen zur Sehne, Kabel und Material
von BCY.
Zu den meisten Fragen muss ich klar sagen, es gibt nicht immer die eine,
exakte Antwort. Es hängt oft ab vom Bogentyp, Sehnenlänge, Sehnentyp,
Zuggewicht, wie die Sehne gemacht ist, die verwendete Vorspannung und
natürlich von den persönlichen Vorlieben des Schützen.
Was verbirgt sich hinter "creep" und "stretch"?
Creeping ist nicht wieder zurück gehende Längung der Sehne. Streching ist
grundsätzlich Elastizität oder wieder zurück gehende Längung. Creep ist ein
Problem. Dadurch können die Cams aus ihrem timing geraten und/oder die
Auszugslänge wird beeinflusst.
Gibt es Sehnenmaterial das kein creep hat?
Ja. 450Plus und 452X sind Mischungen aus Dyneema und Vectran. Vectran hat
keinen creep durch die Spannung die von normalen Bögen produziert wird.
Dazu werden heute moderne Sehnen unter einer Vorspannung von 300# oder mehr
gefertigt. Deshalb sind Sehnen aus 450Plus oder 452X normalerweise 100% stabil.
Wenn 450 Produkte keinen creep haben, warum sollte dann jemand
irgendetwas anderes nehmen?
Bogenschützen, denen es nur auf Speed ankommt, haben festgestellt, das Vectran
Mischungen etwas langsamer sind als 100% Dyneema oder Spectra Mischungen.
Welches ist das schnellste Sehnenmaterial, das nicht creept?
Auf Compounds mit 55# bis 75# empfehle ich 20 bis 24 Stränge 452X.
18-20 Stränge kann man nehmen, wenn das Zuggewicht deutlich unter 55# liegt.
Formula 8125 und DynaFlight97 ist ein fast reines Dyneema Material. Meist gibt es
keinen creep oder nur sehr wenig. Trotzdem, 8125 ist das schnellste Material,
aber eben nicht zu 100% stabil, wie das 452X.
Ist es tatsächlich so, je weniger Stränge in der Sehne,
um so schneller der Pfeil?
Ja, bei den meisten Bögen. Nicht bei allen. Und mit den modernen Materialien,
ist das heute auch eine recht sichere Angelegenheit. Man sollte aber dringend
darauf achten, dass die Mittenwicklung angepasst wird, wenn durch die geringere
Anzahl Stränge der Durchmesser der Sehne kleiner wird. Trotzdem sollte man nicht
zu weit unter die Herstellerempfehlung gehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es
mehr Vibrationen gibt, weil es nicht genug Masse in der Sehne gibt, um die
"elastische Energie" die beim lösen entsteht, aufzunehmen. Die HMPE Produkte,
wie Dyneema und Spectra sind noch anfälliger für Creep, wenn man weniger
Stränge benutzt. Hohe Temperaturen im Sommer verstärken das Problem noch.
Gibt es Sehnenmaterial, das an bestimmten Bögen besser ist als anderes?
Die Bogenhersteller wählen "ihr" Material nach mehreren Kriterien aus. Aber zuerst
nach Sicherheit und Performance. Performance heißt: Speed, wenig oder keinen
Creep, Vibration und Haltbarkeit. Die Bogenhersteller machen ausgiebige Tests.
Sie legen zum Teil Wert auf sehr unterschiedliche Kriterien.
Aber zuallerst achten alle auf die Sicherheit.
Kann ich eine andere Sehne nehmen, als die der Hersteller drauf macht?
Normalerweise ja. Es sei denn, der Hersteller empfiehlt, es NICHT zu tun.
Im Handbuch des Bogens steht im Normalfall der Hinweis, ob man die Garantie
verliert, wenn man ein anderes Material benutzt. Achte darauf, dass Du die
richtige Strangzahl für das Material wählst, das Du benutzen willst.
Wieviele "Twists" sollten in eine Sehne?
Es gibt 3 Gründe eine Sehne einzudrehen.
1. Hält es die Stränge zusammen.
2. Um die Sehne zu kürzen, wenn sie creept.
3. Um die evtl. Peep Rotation auszugleichen.
Bei einem Standardcompound hat man ca. 1 - 1,5 Umdrehungen pro Zoll Länge.
Benutzt man ein Material, das nicht creept, braucht es auch nicht mehr Umdrehungen.
Bei Singlecam Bögen können mehr Umdrehungen nötig sein.
Wird durch das twisten auch creep reduziert?
Nicht wirklich. Spectra oder Dyneema creept unter hoher Spannung und/oder hoher
Temperatur. Twisten korrigiert das wieder, aber eswird den Prozess nicht stoppen.
Gibt es Unterschiede in der Haltbarkeit von farbigen Sehnen zu einfachen
schwarzen oder weißen?
Nein!
Wie lange hält eine Sehne?
Das hängt von mehreren Faktoren ab. Schusszahlen, Zustand der Ausrüstung, usw.
Wenn ein Schütze hohe Pfundzahlen schießt und ein Caliper Release direkt auf der
Sehne benutzt, sollte er die Sehne regelmäßig kontrollieren. Ein D-Loop verlängert
das Leben einer Sehne beträchtlich. Es gibt da eigentlich keine Regel.
Top Level Schützen mit 3.000 bis 4.000 Schuss im Monat wechseln Kabel und
Sehne zweimal im Jahr. Jeweils zu Beginn der jeweiligen Saison. Mit den modernen
Materialien ist das kein Problem. Der durchschnittliche Schütze wechselt einmal im
Jahr oder alle 2 Jahre. Wenn man feststellt, die Sehne längt sich doch sehr,
ein guter Indikator dafür ist das Peep, sollte man wechseln. Wird die Sehne zu
"fuzzy" oder ein Strang steht plötzlich aus dem Bündel raus, wechseln. Es gibt
mehrere Gründe, warum einzelne Stränge brechen. Eine leichte Scharte im Cam
ist der häufigste Grund.
Wenn ich die Anzahl der Stränge verringere um mehr Geschwindigkeit
raus zu holen, ist das gefährlich?
Bei dem heutigen Material haben wir einen gewaltigen Überschuss an Stabilität.
Ein Beispiel: Benutzt man 8125 wird in der Regel eine 18 Strang Sehne gebaut.
Die Bruchfestigkeit von 8125 beträgt über 100 Lbs pro Strang!
Nehmen wir 100 Lbs. als Kriterium, haben wir bei einer 18 Strang Sehne eine
Bruchfestigkeit von 1.800 Lbs.
Wenn wir die Sehne aufziehen, ist die Sehne an den End-Loops (Öhre) natürlich
halbiert. Ein statischer Belastungstest zeigt, dass die Sehne an dieser Stelle
ca. 40% verliert. Das lässt aber immer noch eine Bruchfestigkeit von ca.
1.000 Lbs. zurück. Bei einem schweren 70 bis 80 Pfund Compound werden beim
Auszug ca. 200 Lbs. an Spannung erzeugt. Verglichen mit den 1.000 Lbs. haben
wir hier eine bis zu 5 fache Sicherheitsreserve. Reduziert man also die Strangzahl
macht man das ja in der Regel im Verhältnis zur Pfundzahl des Bogens.
Bei den neuen, schmaleren Materialien wie 452, ist die Bruchgrenze unter 100 Lbs.
Dafür werden viel mehr Stränge verbaut. In der Regel 24. Damit kommt man dann
wieder auf die erwähnte Sicherheitsreserve.
Ein gebrochener Strang ist selten, wenn überhaupt, der Grund für den Bruch der Sehne.
Die häufigsten Gründe sind:
Zustand der Cams (Scharten)
Zuviel eingedreht.
EXTREM enge Wicklung!
Releasetyp
Schlechte Pflege
Abnutzung (Peepschlauch!)
Wie macht man eine Zebra Sehne?
Gar nicht! Eine Zebra Sehne ist nicht einfach eine zweifarbige Sehne.
Es ist ein, von Mathews, patentiertes Herstellungsverfahren.
Was ist das beste Material für die Mittenwicklung?
Das ist eine persönliche Geschmacksfrage. Manche Schützen bevorzugen heute
noch das Monofilament, weil es immer den gleichen Durchmesser hat und die
Nocke recht "scharf" die Sehne verlässt. Allerdings ist die Haltbarkeit von
Monofilament begrenzt und muss in regelmäßigen Abständen erneuert werden.
Die "braided" Garne sind sehr viel haltbarer. Hier muss man nur beim Anfang
aufpassen, es rutscht gerne durch. Halo Serving, wenn es stramm gewickelt wird,
hält aber sehr gut. Nummer 62, ein Spectra, Polyester Gemisch hält sehr gut und
passt zu den meisten Schützen. Es gibt verschiedene Durchmesser.
Wie stramm sollte eine Wicklung sitzen?
Eng genug um nicht zu verrutschen und nicht zu separieren. Nun, das ist jetzt nicht
wirklich speziell, aber wenn man zu eng wickelt, kann es Probleme geben.
Direkt im Center, unter der Wicklung, wird das Sehnenmaterial gequetscht!
An den Enden, wenn die Wicklung zu eng ist, springt die Wicklung gerne auf.
Besonders bei harten Speed-Cams. An den Enden sollte man Material verwenden,
das ein wenig "klebt". Z.B. das Nummer 2-D.


