Mentales Training VI
Beginn und Zusammenstellung Deines Trainingsplanes....
Der erste Schritt auf dem Weg!
OK, Du hast Deine Analyse über Deine Stärken und Schwächen beendet und die Zeit bis zu Deinem Turnier in 3 Perioden aufgesplittet..... was tust in der ersten Sektion "intensives Training"? Laß uns beginnen mit der Suche nach Deinem Startpunkt. Mit anderen Worten, laß uns mal nachschauen wo Du leistungsmäßig stehst.
Was Du schon mal ein wenig tun kannst und was ich schon erwähnte:
(1) Verbesserung Deiner Technik....entwickle die beste, effektivste, einheitlichste und am höchsten entwickelte Schießtechnik wie es Dir in der Zeit nur möglich ist!
(2) Deine physische (körperliche) Leistungsfähigkeit....in das Schießtraining auch Krafttraining einbauen um sicher zu gehen, dass Du mit der Belastung eines Wettkampfes 100%ig klar kommst!
(3) Mentales (geistiges) Training.... Voraussetzung ist, Du hast Dich mit dem Thema etwas beschäftigt und einen Weg entwickelt, der Dir hilft Deine eigene Erwartung hoch zu setzen und Zuversicht zu gewinnen. Du brauchst diese mentalen Werkzeuge um die richtige, nämlich eine positive geistige Haltung zu erreichen und zu behalten. Und zwar jeden Tag, von Tag 1 Deiner Zielsetzung bis zum Tag X, dem Tag Deines Zieles.
Diese drei Dinge müssen parallel trainiert werden, so das sie sich zusammen entwickeln. Es ist ein "dreibeiniger Hocker" und Du wirst nicht darauf sitzen können, wenn nicht alle drei Beine die gleiche Länge haben. Wenn Du also so ganz tief in Dir drin denkst: "Ach, was soll's. Diesen Psycho-Quatsch kann ich mir schenken." DANN VERGISS ES! Du wirst Dein Ziel NIE erreichen!
Gut, entschieden? Also weiter:
Nimm Deinen ganzen Krempel, den Du meinst zu brauchen: Bogen, Pfeile, sonstiges Zubehör und beginne bei Periode 1!
Periode Eins:
Start des Intensiv-Trainings
Beginne heraus zu finden, welche Techniken die absoluten Top-Schützen benutzen. Zum Beispiel sind Videos ein ausgesprochen gutes Mittel, weil Du sie Dir immer wieder ansehen kannst und so bestimmte Techniken besser verinnerlichst. Benutze aber Videos verschiedener Schützen um das Bild wirklich "abzurunden". Zudem: mit dem Video, ist Dein eigenes Schießen ein direkter Vergleich. Sieh Dir die Bilder von guten Schützen an. (Internet, Bogensport-Magazin, usw.) Besorge Dir die Bücher zur Physiologie des Bogensports. Zum Beispiel: "The simple art of winning" von Rick McKinney. Oder: "Von 0 bis 1300" von Johann Krost. Bist Du Compound-Schütze: "Professional Archery Techniques" von Kirk Ethridge. (Diese Buch ist SEHR zu empfehlen, ich arbeite z.Z. an der deutschen Übersetzung.) Weiter: sprich mit Trainern und anderen Schützen. Beachte: Ich lege nicht mehr Nachdruck zum Thema Trainer als nur dies: Du hast zu, mußt sogar, bewerten wer Dich trainiert und ob Du etwas von dem mitnehmen kannst was er/sie Dir anbietet. Denke daran: auch ein Trainer hat Stärken und Schwächen!
Eine gute Möglichkeit den Schwächen eines Trainers auszuweichen: Arbeite mit Verschiedenen. Integriere sie in Dein mentales Training, so dass sie auch mental mit Dir arbeiten auf ihrem eigenen Weg zu eurem Ziel! Mehrere Trainer zu haben, schärft Dir auch den Blick für den Charakter des Einzelnen. Technisch: wähle die Schießtechnik, die zu Deiner Form (Fitness) passt.... achte auf andere Schützen und deren Stil. Denke darüber nach, warum sie anders schießen, als Du es im Buch gelesen hast. Niemand hat die perfekte Technik! Zum Beispiel wenn Du mal die Gelegenheit haben solltest, Rick McKinney schießen zu sehen. Scheinbar ist sein "lösen" absolut schlecht! (Tatsächlich löst er hervorragend.. aber dann "schmeißt er seine Hand fast über den Platz". :-))
Andere Schützen lassen wieder und immer wieder (vielleicht ist das ja auch der Schlüssel, das immer wieder) ihren Bogenarm fallen obwohl es klar vorteilhafter wäre ihn bis zum Einschlag des Pfeiles gerade zu halten.
Diese "Hintergrund Untersuchung" nach der besten Technik und nach empfinden der "Besten" gibt Dir die Richtung zur Verbesserung Deiner eigenen Technik. Zu der Zeit, wenn Du mit Deiner mentalen Vorbereitung beginnst, mußt Du Dir sicher sein, dass Du es auch richtig machst. Genauso als wenn Du die gleiche Ausrüstung hast die die Top-Schützen. Es gibt Dir das Gefühl nicht benachteiligt zu sein. Teste Dich selber mit Videos in, sagen wir mal, in 2 Wochen Intervallen. Sowohl wenn Du frisch oder müde bist. Zum Beginn einer Trainings Session -- als auch zum Ende hin um z.B. Fortschritte sichtbar zu machen als auch hartnäckige Probleme. Die mentale Sicherheit macht Dich stärker und Du hast "ohne jeden Zweifel" ein sehr gutes System! Eine hohe Schußfrequenz (viele Pfeile) um einen exzellenten technischen Stil zu entwickeln hat aber mehrere Auswirkungen. Wie ich früher schon erwähnte, es gibt Dir die körperliche Fitness einen langen Wettkampf ohne Probleme durchzustehen. Wenn Du im Training mehrmals in der Woche ohne Schwierigkeiten 250-300 Pfeile schießt, ist eine FITA mit 144 ein Klacks. Zweitens und das ist nicht so offensichtlich, Du wirst eine sehr effiziente Technik für Dich entwickeln denn Dein Unterbewußtsein wird für Dich eine möglichst ökonomische Art wählen um die Belastung zu bewältigen. Und drittens: Du hast das: "Ich habe verdammt hart trainiert dafür" für immer in Deinem Kopf abgespeichert!
Du wirst bemerkt haben, dass die Art wie sich "intensiven Trainings" auf Deine Leistung auswirkt, ein dreifacher Weg ist, vom Trainingsstandpunkt aus gesehen. Ich weiß, Du denkst wir konzentrieren uns hier nur auf Technik, aber das ist voll verknüpft mit dem mentalen Nutzen und dem physischen Nutzen. Verfeinert wird das durch die Verbesserung Deiner mentalen Konzentration und erkenne, das dies eben Deine allgemeine Konzentrations- fähigkeit verbessert. Vergiss nicht die "positive Bekräftigung" durch das Aufschreiben Deiner Erwartungen und Ziele! Akzeptiere das während dieser Zeit Deine Ringzahlen sogar etwas schlechter werden können! Es muß nicht so sein, aber es könnte. Es ist wichtiger eine saubere Technik auszuarbeiten und so kann es eben sein, dass Deine Pfeil auf einmal woanders treffen als gewohnt.
Jay Barrs, der frühere Olympiasieger erzählt von Tagen, wo er eben nicht darauf aus war bestimmte Ringzahlen zu schießen sondern nur seine Technik verbessern wollte. Es kam vor, dass er dann von anderen Schützen ein wenig geneckt wurde, die ihn an diesem Tag schlugen. Er blieb innerlich ganz cool, konzentriete sich weiter auf seine Technik, weil er genau wußte, er konnte zurück kommen wann er wollte und all diese Spötter mühelos besiegen. Inzwischen verfeinerte er seine Technik, so dass es später bei der Revanche in eine Deklassierung ausartete. Du machst genau das gleiche während dieser Phase des intensiven Trainings. Mit diesem mentalen Training ist ebenso verknüpft, dass Du lernst, alle Störungen von außen auszublenden und Dich nur und ausschließlich auf Dein Ziel zu konzentrieren. Dein längerfristiges Ziel über alle drei Perioden sollte auch sein, Dir selber Kommentare über Dein Fortkommen zu geben und diese Kommentare regelmäßig zu lesen. Schreibe aber diese Kommentare im positiven Sinne, so das niemals ein negativer Aspekt auftaucht!
Es gibt auch Gefahren bei diesem intensiven Training. Du kannst Dir Krankheit oder Verletzung zu ziehen, die lange Zeit zur Heilung brauchen, wenn Du so hart trainierst und die Warnsignale Deines Körpers nicht beachtest. (Mir selbst erging es so: Ich verpasste die Qualifikation zur deutschen Meisterschaft 2001, weil ich ebenfalls nicht auf meinen Körper hörte und dann die Landesmeisterschaft mit einer schweren Schleimbeutelentzündung im Ellenbogen des Bogenarms geschossen habe.) Also, zwar viel trainieren, aber die Schußfrequenz langsam aufbauen. Nicht von 200 Schuß in der Woche auf 200 am Tag..... in Zyklen des Trainings über Monate oder Jahre.....wenn Du merkst, Du erleidest Rückschritte, mach eine Pause und fange mit besserer Kondition wieder an. Wenn Du Dich selbst zu unbarmherzig plagst, gehst Du das Risiko für eine viel längere Zeit aufhören zu müssen als eine Pause dauern würde. Suche sofort professionelle Hilfe (Arzt) wenn sich ein dauerhaftes, physisches Problem einstellt. Mein Tipp: Suche einen Sportarzt auf, der würdigen kann was Du da tust. Dies ist wichtig, denn wenn Du ihn nochmals brauchen solltest, hast Du jemanden der Deine Geschichte kennt und Dich wieder in Form bringen kann. Schiebe es nicht hinaus! Es wäre schlecht wenn Du 3 Tage vor Deinem Wettkampf wegen Krankheit aufgeben müsstest. Ein wichtiger Teil der "Kunst des Trainings" ist Pause und Erholung!
Während dieser Periode ist es wichtig zu wissen, dass Du Fortschritte machst auf Deinem Weg zum Ziel. Um Dir dies richtig klar zu machen, teste Dich in Intervallen. Teste Deine Technik gegen die Videos. Du kannst Deine Kondition testen. Nach einer Pause von ca. 5 Tagen, gehe raus und schieße eine volle FITA. Mit Probepfeilen! Teste Deine Gefühle und Dein Vertrauen in Dich. z.B. Mach einen Wettkampf gegen einen Trainingspartner. Oder in einem kleinen, lokalen Wettkampf. Sieh ob Du Dich gut fühlst mit Deinen Ergebnissen und mit Deinen Erwartungen. Diese Tests sind natürlich ein "wenig" subjektiv, können aber ein wertvoller Maßstab dafür sein Dein Augenmerk auf bestimmte Bereiche zu lenken oder festzustellen, dass bestimmte Dinge nichts für Dich sind, bzw. Dir nichts bringen. Stelle die Fehler fest und frage nach dem "Warum". Damit stehst Du immer auf der positiven Seite, egal mit welchem Resultat. Heh, wenn wir keine Fehler machen würden, würden wir nichts machen!
Am Ende dieser Periode ist es Zeit Dich erneut zu analysieren und einen Blick auf Deine Verbesserungen zu werfen.
Aber: Nur im kalten Licht des Tages! (Auf deutsch: Bescheiß Dich nicht selber!)


