Gold - Angst! aka "target-panic"
Lösungsmöglichkeiten
Vorwort...1.
An dieses schwierige Thema habe ich mich nur mit professioneller Hilfe getraut! In vielen Emails und einigen Telefongesprächen hat mir ein guter Freund geholfen in diese Materie einzusteigen und mir auch die Beispiele dazu verdeutlicht. Dieser Freund ist einmal natürlich auch Bogenschütze und zum zweiten beruflich mit der Materie verquickt. Sein Name ist Ari Ben Ami und er ist Psychologe. Ebenfalls eine sehr große Hilfe war ein deutscher "Bogen-Profi".
Peter 'Coach' Jöcker von der Bogensportschule, Münsterland hat mir aufgezeigt, dass eben auch die "Angst vor dem Versagen" eine erhebliche Rolle spielt, bei der Ausformung der Störung.
Meinen herzlichen Dank an diese beiden.
Achtung!
Wer zur Zeit, ganz aktuell, an Gold-Angst leidet, sollte bitte nicht glauben: "Aha, hier ist die Seite von Medrodix, und wenn ich das jetzt 2 Wochen mache, ist alles im grünen Bereich!" Dem ist nicht so! Der Zeitablauf bei der Behandlung der Störung ist so individuell, dass auf gar keinen Fall gesagt werden kann, wie lange es dauert. Es ist möglich, dass ein Schütze bereits mit dem Gebrauch eines Klickers innerhalb weniger Tage gut zurecht kommt, aber der nächste Schütze braucht für die "Kur" 6 Monate. Wie gesagt, es ist so sehr von jedem Einzelnen abhängig, das generelle Aussagen hier nicht getroffen werden können!
Gold-Angst ist eine "Krankheit" oder besser "Störung", die jeder Bogenschütze entwickeln kann. Allerdings befällt sie nur einen kleinen Prozentsatz der Schützen. Bist Du allerdings einer dieser Unglücklichen, die damit geschlagen sind, wirst Du zweifellos versuchen damit fertig zu werden um wieder wie früher Deinen Sport zu genießen.
Was ist Gold-Angst?
Wenn dieser Zustand beschrieben oder definiert wird, konzentriert man sich in der Regel auf die Symptome der Störung. Diese Symptome können sich je nach Schütze mit leichten Variationen zeigen. Aber sie haben eines gemeinsam:
Ein verfrühtes lösen, bzw. der starke Drang nach verfrühtem lösen des Pfeils! Dieses verfrühte Lösen zeigt sich erstens: Bevor der Bogen hoch genug genommen wurde um den Pfeil sicher ins Zentrum zu bringen oder zweitens: Bevor die Ankerposition richtig erreicht ist. Ebenso ist es möglich, das ein Bogenschütze löst, bevor der Bogen oben ist und der Ankerpunkt noch nicht erreicht ist. Es hängt von der Zeit zwischen Anker und Zielauffassung ab. Dann.... Du löst zu schnell oder Du verriegelst (frierst ein) und findest es unmöglich für Dich, den Bogen hoch ins Ziel zu bringen, weil Dein Gehirn unbedingt den Pfeil lösen will. Die ganz spezielle Art und Weise wie sich Gold-Angst bei jedem Einzelnen zeigt hängt sehr stark ab vom jeweiligen Schießstil und der Ausrüstung. Jedoch das vorzeitige Lösen ist der Kern des Problems.
Wodurch entsteht Gold-Angst?
Ich war von einigen Sachen "schwer beeindruckt" als ich in den letzten Tagen mal eine Netz-Recherche zu dem Thema gemacht habe. Erst mal die Menge an Webseiten die sich mit dem Thema "Gold-Angst" beschäftigen oder wo über das Thema diskutiert wird. Ich war auch beeindruckt, dass anscheinend niemand genau wusste was die hauptsächliche Ursache für Gold-Angst ist. Natürlich hat DAS aber niemand davon abgehalten die Gründe dafür mit "gesundem Menschenverstand" darzulegen. :-) Zum Beispiel: *zu hohes Zuggewicht* (kann tatsächlich auch dazu beitragen) oder
*fehlerhafte Konzentration* (was immer das auch heißen soll). Ich war überrascht das niemand von einem "chemischen Ungleichgewicht" sprach. Hätte auch gut in die Reihe gepasst. Zuletzt, was ich wirklich erstaunlich fand, obwohl niemand genau wusste was die Ursache ist, klangen die meisten Techniken und Ratschläge die angeboten wurden, ziemlich wissenschaftlich und sollten angeblich absolut sicher gegen Gold-Angst helfen. Wahrscheinlich kommt das aus der Ecke: "Was mir geholfen hat, wird sicher auch Dir helfen."
Die beste Erklärung kam noch von "Peter 'Coach' Jöcker", von der Bogensportschule, Münsterland.
Er sagt:
Der eigentliche Knackpunkt ist
*Eine innerliche Angst vor Versagen*!
Mein Anspruch immer besser zu werden steigt mit der Zeit. Will evtl. auch besser sein als meine Konkurrenz, sehe gar nicht die pers. Vorr. und Möglichkeiten. Mein Ziel orientiert sich nicht so sehr an mir selbst, sondern an anderen. Es muss ein fast perfektes Ergebnis her. Dieses erreiche ich nur unter großem persönlichen Einsatz. Ich versuche immer genauer zu ZIELEN um mein ZIEL zu erreichen, und vernachlässige den Schussablauf. Die Körperspannung geht verloren, der Zeitpunkt des Lösen wird ausschl. vom Gehirn bestimmt, auch wenn Körper eigentlich noch nicht fertig ist. Der Druck wird so groß, das ich nicht mehr in der Lage bin bei einzelnen Schüssen mein kleines Ziel "Zielvorgang aufs X und lösen" durchzusetzen, da ich immer Angst habe, dieses "scheißkleine" Ziel (jeder einzelne Schuss für sich gesehen muss in die Mitte gebracht werden) nicht zu erreichen. Am Anfang verfehle ich das X, dann die 10, dann die 9, usw. Der Körper / ich kompensiert den Treffer / Schuss dadurch, das ich /der Körper entsprechende (Gegen)Maßnahmen ergreift. Ich reiße die Bogenhand im Schuss hoch, damit das zu frühe Lösen ausgeglichen wird, ich verstelle das Visier entsprechend, das ich die Mitte treffe, auch wenn ich unten in der 8 abkomme. Jedoch schaffe ich es irgendwann gar nicht mehr die 8 unten zu erreichen, usw. Da ich aber immer noch halbwegs treffe, dauert er seine Zeit, bis ich einsehe, dass ich Goldfieber eigentlich schon ganz lange habe. Irgendwann treffe ich nicht mal mehr die Scheibe!
Natürlich wirft all das eine Frage auf. "Müssen wir wirklich den Grund für Gold-Angst kennen um ein Heilmittel zu finden?" Freud (Sigmund) glaubte das. Er meinte diesen Einblick in unbewusste Motivationskonflikte zu brauchen um die Ursachen zu behandeln. Das allerdings war vor 100 Jahren und wir wissen es heute besser. Es ist tatsächlich nicht nötig zu wissen wodurch Gold-Angst entstanden ist, um sie zu überwinden. Wenn Du auch die nachfolgernden Informationen nicht verstehst, kannst Du trotzdem die Techniken benutzen um Gold-Angst effektiv zu bekämpfen. Nur für die Formulierung der Techniken ist das Verständnis für die Gründe der Gold-Angst nötig.
Der tatsächliche Grund für Gold-Angst:
"Klassische Vorbedingung"
(Klassische Konditionierung)
(System das Reflexe hervorruft, durch Gestaltung von entsprechenden Bedingungen.)
Um die Schuldfrage bei Gold-Angst zu klären, würde ein Psychologe nach "klassischen Vorbedingungen" suchen. Dieser Begriff wird vielleicht verständlicher, wenn man ihn als "reagierendes lernen" beschreibt. Es gibt eine Menge anderer Störungen mit ähnlicher Charakteristik, die verstanden, erklärt und geheilt wurden. Nur durch die Arbeit vom Standpunkt der "klassischen Konditionierung" aus. Phobien und Panik Attacken fallen einem da sehr schnell ein. Lass uns mal einen ganz kurzen Ausflug zum Original-Experiment des russischen Psychologen Ivan Pawlow machen. Sein Experiment brachte uns das Verständnis für diese Lernmethode. Pawlow experimentierte mit Hunden und entdeckte: Er konnte Speichelfluss hervorrufen (die Antwort - A) mit einem Ton/Klang (bedingter Reiz - BR - neutraler Reiz der keinen Speichelfluss auslöst) in Verbindung des Tones mit der Abgabe von Fleisch (unbedingter Reiz - UBR - ein Reiz der immer Speichelfluss auslöst). Pawlow brachte diese Reize in eine bestimmte Reihenfolge, beginnend mit dem Ton, der direkt von dem Reiz der Abgabe von Fleisch gefolgt wurde, der sofort Speichelfluss auslöste. Die Vorgangsbeschreibung der "klassischen Konditionierung" ist:
BR > UBR > A.
Die Hunde lernten sehr schnell den Ton (BR) mit dem Fleisch (UBR) in Verbindung zu bringen und der Speichelfluss (A) begann bereits beim erklingen des Tones. So wurde die Verbindung "Ton - Speichelfluss" hergestellt oder BR > A. Dieses "Gesetz der Zusammenhänge" legt fest, dass, wenn "irgendwelche zwei Reize" zeitlich und räumlich auf diese Weise verbunden werden (BR>UBR) sich der Zustand der klassischen Verbindung ergibt. Menschen und Tiere lernen gleicherweise durch Assoziation. Natürlich konnten Menschen diese Art des Lernens überwinden durch Analyse und Einsicht. Das wiederum brachte das "aussterben" dieser Lernmethode. Aber ein paar verschiedene Beispiele der "klassischen Konditionierung" sind oft sehr hilfreich.
Beispiele der klassischen Konditionierung
Beispiel 1: Wer jemals einen Jagdhund ausgebildet hat oder mit seinem Tier in einer "Gehorsam-Schule" war, hat die Techniken der klassischen Konditionierung benutzt. Wenn Du willst, dass der Hund sitzt (Antwort - A), brauchst Du einen Reiz, der immer wieder diese Antwort auf Befehl auslöst. Typischerweise wird der Hund physisch in diese Haltung gebracht, indem der Hundeführer mit der Hand das Hinterteil des Hundes runter drückt, bis er sitzt. Diese Handlung (unbedingter Reiz - UBR) führt immer zur Antwort (A) "sitzen". Natürlich willst Du ja, dass der Hund auf das Kommando "Sitz" (das wird der bedingte Reiz - BR ) reagiert. Dies Kommando wird verbunden (assoziiert) mit der Handlung (UBR) um die Antwort (A) hervorzurufen. Wir sagen "sitz" (BR) gefolgt von der Handlung (UBR) des runter drückens in die sitzende Position. (A) In sehr kurzer Zeit wird der Hund sich setzen nur auf das verbale Kommando hin und er hat es gelernt. Oder: BR > A
Beispiel 2: Leute die Handfeuerwaffen mit starker Munition schießen (357 oder 44 Magnum) entwickeln manchmal etwas, das nennt sich bei den Sportschützen "flinch" oder "zurückzucken". Sie scheinen an der Waffe zu reißen während sie abdrücken und verfehlen dadurch das Ziel. Wenn wir eine "blinde Ladung" (also eine Patrone OHNE Pulver) in die Waffe geben würden ohne den Schützen zu informieren, würden wir sehen, wie er den Abzug drückt, gefolgt von dem typischen "Rückschlag" einer Magnum-Patrone. Wenn wir jetzt den Vorgang des Schussablaufes ein Magnum in die Komponenten der klassischen Konditionierung zerlegen, ist es recht leicht zu sehen, warum das passiert. Erstens, stelle Dir folgende Frage: In einem normalen Schussablauf eines Schusses, was ist die Antwort (A)? Die Antwort (A) ist natürlich der Rückschlag, der bewirkt, dass sich die Hand nach oben und unten bewegt, wenn die Waffe "schlägt". Gut, was ist der unbedingte Reiz (UBR) der zu dieser Antwort (A) führt? Nun, das ist die Zündung der Magnum Patrone, die dafür sorgt, dass das Projektil in eine Richtung bewegt wird und die Waffe (Rückschlag) in eine andere Richtung welches die Antwort (A) ist. Das drücken des Abzuges ist kein unbedingter Reiz. Ohne Zündung der Patrone - kein Rückschlag! Aber immer, wenn eine Patrone gezündet wird (UBR) gibt es einen Rückschlag (A). Was ist jetzt der bedingte Reiz (BR) der zwar die Zündung der Patrone auslöst, aber NICHT den Rückschlag (A)? Ja klar, das Drücken des Abzuges. Wenn Du den Abzug an einer ungeladenen Waffe betätigst, wirst Du keine "Rückschlag - Antwort" erhalten. Die bekommst Du nur, wenn das Drücken des Abzuges (BR) verbunden ist mit der Zündung der Patrone (UBR). Die Konditionierung erfolgt durch Verbindung von BR > UBR. Ist das gelernt, wird das Drücken des Abzuges mit einer "blinden Ladung" den Rückschlag ohne Zündung der Patrone auslösen. BR > A. Dieses "zurückzucken" wird oft als "Target - Panik" der Pistolenschützen bezeichnet. Ein besserer Name wäre wohl "Rückschlag - Panik". So, nachdem wir wissen wie klassische Konditionierung funktioniert, können wir diese Prinzipien auf das Bogenschießen übertragen.
Gold-Angst im Bogensport
Dann lass uns mal nachschauen, wie Gold-Angst durch klassische Konditionierung vom Bogenschützen "gelernt" wird. Beim Bogenschießen wird Gold-Angst als "verfrühtes Lösen" definiert. Das Lösen ist also die Antwort (A). Jetzt müssen wir bestimmen, was der unbedingte Reiz (UBR) ist, der diese Antwort (A) jedes Mal auslöst. Beim Bogenschießen lösen wir, wenn wir mitten im Gold stehen (UBR). Wenn wir mitten im Gold stehen ist der Punkt erreicht, wo wir fühlen, das der Pfeil nun genau ausgerichtet ist um exakt zu treffen und das Gehirn das Kommando zum Lösen gibt. Nun müssen wir uns fragen, was kommt denn genau bevor (BR) ich im Gold stehe (UBR) und der Pfeil gelöst (A) wird? Es gibt eigentlich zwei Möglichkeiten (Szenarien) die wir uns näher anschauen sollten.
Szenarium 1
Wir ziehen aus und ankern - beginnen mit der Bewegung auf das Ziel zu (BR) - erreichen das Gold (UBR) - lösen (A). So ist also der bedingte Reiz (BR) die Bewegung, die uns ins Gold führen soll. Aha! Das verfrühte Lösen über das wir sprechen. Einmal gelernt, Bewegung auf das Gold zu (BR), löst den Reflex des Lösens aus. Oder: BR > A. Dieses Szenarium betrifft wahrscheinlich die meisten Compound-Schützen.
Szenarium 2
In diesem Szenarium sieht es etwas anders aus. Einige Schützen sind schneller und die Zielauffassung geschieht flüssiger. Diese Schützen ziehen so, dass der Prozess des Ankerns und die Zielauffassung gleichzeitig abläuft. Sobald also der Ankerpunkt erreicht ist, stehen sie schon im Gold. Das bewirkt eine wahrnehmbare Veränderung der Symptome aber der Grund ist der Gleiche. Dieser Typ Schütze löst den Pfeil nicht nur bevor das Gold erreicht ist, sondern auch (logisch) bevor der Ankerpunkt erreicht wurde.
Techniken um Gold-Angst zu beheben
"Mechanische Lösungsmöglichkeiten"
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"Peter 'Coach' Jöcker", von der Bogensportschule, Münsterland, sagt: Wichtig sind meiner Meinung nach folgende Dinge, um dieses Problem zu beheben: 2. Den Schussablauf in den Vordergrund zu stellen, und nicht die ZIELEREI. Der Schuss wird gelöst, wenn der Körper so weit ist und nicht das Gehirn. Beim Compound hilft häufig schon das Benutzen eines Kipprelease. (Back-Tension-Release) Hier wird geschossen, wenn der Körper soweit ist und nicht der Zielvorgang. Habe schon einige saubere 9er geschossen, die wirklich prima Schüsse waren. 3. Sich die Zeit zur Bearbeitung zu nehmen. Sich entsprechend nicht mit anderen zu vergleichen, keine Turniere zu schießen. 4. Konsequenz, diese Methoden durchzuziehen, ohne vorschnell zu glauben, dass es jetzt wieder geht. 5. Angepasste Ziele beugen schnellem Versagen vor. Nach Erreichen der gesetzten angepassten Ziele, entsteht ein gutes Gefühl und die Ziele können leistungsentsprechend angepasst/erhöht werden. |
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Aus einer Email von Goldangst ist etwas über das wir nicht gerne sprechen, aber viele haben es schon erlebt und einige von uns müssen es z.Z. erleiden. Eine sehr gute Möglichkeit für Compoundschützen, Goldangst zu bekämpfen ist die Verwendung eines Klickers. Ja, richtig gehört, eines Klickers am Compoundbogen. Dieser wird so eingestellt, dass ich in Ruhe zielen kann und erst wenn ich im Gold bin, wird durch Erhöhung der Rückenspannung der Pfeil durch den Klicker gezogen. Es erfordert nur ein paar Schüsse um meinem Unterbewusstsein klar zu machen, dass der Abzug erst gedrückt werden darf, wenn das klickende Geräusch ertönt. Dies kann verstärkt werden, wenn ich in Gedanken mir selber "im Moment der Schussabgabe" zurufe: |
"Mentale Lösungsmöglichkeiten"
Noch einmal: Du musst die Ursache der Gold-Angst nicht verstehen um sie effektiv zu beheben. Wahrscheinlich bist Du aber daran interessiert zu wissen, wie eine vernünftige Technik auf Basis der klassischen Konditionierung aussehen könnte?
Wenn wir uns psychologische Störungen, in denen die klassische Konditionierung eine Rolle spielt, mal näher ansehen, stellen wir fest, dass sich diese Techniken in zwei Kategorien einteilen lassen. Einige dieser Techniken folgen dem Prinzip der "systematischen Desensibilisierung" und die anderen vertrauen dem Prinzip des "Gedanken-Stop". Diese beiden Kategorien schauen wir uns jetzt mal näher an.
Die systematische Desensibilisierung ist ein Prozess, der es uns erlaubt, ein erlerntes Verhalten ganz allmählich zu verändern. Dies geschieht durch die bewusste, kontrollierte Änderung des Verhaltens. Ein einfaches Beispiel, das Du sofort nachvollziehen kannst: Wenn ein Kind zum ersten mal in einer Achterbahn fährt, ist das erschreckend! Jede weitere Fahrt mit der Achterbahn verringert die Furcht bis zu dem Punkt, wo das Kind eine größere Bahn sucht, damit das Adrenalin wieder fließt. Die späteren Fahrten sind ja nicht langsamer oder haben weniger Kurven. Was passierte, die Wahrnehmung des Kindes veränderte sich. Die Furcht während der Fahrt (BR) war gepaart mit der Erfahrung, das es trotzdem sicher war (UBR) und das Kind entspannte sich (A). Wird die Fahrt nun mehrmals wiederholt, wird das Kind immer entspannt sein und sich nicht mehr fürchten.
Gedanken-Stop ist ähnlich der systematischen Desensibilisierung, indem wir bewusst einen Reiz einbauen, damit die Antwort (A) nicht mehr in ihrer typischen Art und Weise erscheint. Lass uns mal annehmen, es gibt da einen obsessiven Gedanken der Dir immer und immer wieder durchs Hirn schießt. Wenn ich Dich mit einem Elektroschocker traktieren würde, wäre der Gedanke sofort verschwunden. Der Elektroschock (UBR) führt immer zu einer unterschiedlichen Antwort (A). Bei Paarung mit dem obsessiven Gedanken (BR) wird der Lernprozess einsetzen und schon nach ein paar Versuchen wird der Gedanke verschwunden sein.
Die folgenden Techniken basieren auf diesen beiden Prinzipien und helfen wenn sie konsequent angewendet werden! Erinnere Dich noch einmal an da
"Gesetz der Zusammenhänge"
das fest legt, dass, wenn "irgendwelche zwei Reize" zeitlich und räumlich auf diese Weise verbunden werden (BR>UBR)sich der Zustand der klassischen Verbindung ergibt.
Damit die Verbindung, (die durch die klassische Konditionierung hergestellt wurde) die die Gold-Angst auslöst gelöscht wird, musst Du neue Verbindungen erstellen.
Die "Laser-Punkt" Technik sollte immer benutzt werden wenn Du schießt und die "Visualisierungs"-Technik sollte immer benutzt werden, wenn Du nicht schießt. Egal ob Du von Gold-Angst betroffen bist oder nicht. Du kannst auch die beiden anderen Techniken nutzen: "Blind schießen" und "Mehrfach-Zielauffassung" Technik. Oder suche Dir einfach die Technik aus, die für Dich persönlich am effektivsten ist, Deine Gold-Angst zu bekämpfen.
Die "Laser-Punkt" Technik
"Wenn Deine Schießtechnik optimal ist und Du sie immer wiederholen kannst, aber trotzdem nicht triffst, besteht das Problem in Deinem Kopf!" Ari Ben Ami
Vorwort:
Jeder Bogenschütze braucht ein "Bündnis" zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Das Unterbewusstsein lernt durch Stunden/Tage/Monate des Trainings die rein "mechanischen" Aspekte des Sports. (Schießstil, Bewegungsabläufe, etc.) Das Bewusstsein gibt die Befehle, wann (Zeit) und wo (Ziel) diese "Mechanismen" eingesetzt werden. Hat nun das Unterbewusstsein den Bogen ins Ziel gebracht, gibt das Bewusstsein den Befehl zum lösen. Geschieht an dieser Stelle die "Reiz-Verwirrung" suchen wir uns ein "neues" Ziel.
Nimm Dir eine Münze von der Größe einer alten "5 Mark Stückes". Es kann auch eine gleich große andere Metallscheibe sein. Male sie mit Farbe grell-rot an. Ein gleich großes rundes Stück Pappe, natürlich von gleicher Farbe, klebst Du auf Deine Scheibe. Das Gold hat Dich nicht mehr zu interessieren! Visualisiere nur noch diesen roten "Laser-Punkt". Die Metallscheibe trägst Du ständig bei Dir. Sieh sie Dir immer wieder an, stelle Dir immer wieder vor wie Du ins Ziel gehst und sie genau triffst! Sitzt Du im Wartezimmer beim Zahnarzt, nimm die Scheibe aus der Tasche und spiele mit ihr. Im Bus, in der Straßenbahn, im Zug, nimm die Scheibe und sieh sie Dir an. Auf die Entfernung von 70 Metern siehst Du Dein Ziel nur noch als kleinen "Laser-Punkt". Da Du aber die Metallscheibe in der Tasche hast, hole sie heraus, sieh Sie Dir noch einmal an und stelle fest, dass sie eigentlich recht groß ist. Konzentriere Dich auf dieses kleine Stück Metall! Das Gold ist völlig unwichtig! Gehst Du ins Ziel, sieht Dein Auge die Scheibe, aber Dein Gehirn sieht den roten Punkt! Er ist Dein neues Ziel!
"Blind schießen"
Diese Technik hilft sehr gut Deinem Gehirn "umzulernen" die Assoziation (Verbindung) zwischen "Zielauffassung" und "Lösen" zu kappen und neue Verbindungen zu knüpfen.
Suche Dir ein GROSSES Ziel aus. Z.B. einen grasbewachsenen Hang (oder Wall) oder auch eine große Heurolle. Stelle Dich davor und schließe die Augen. Jetzt: Auszug, Ankerpunkt erreichen und mit nach wie vor geschlossenen Augen stellst Du Dir eine entsprechende Auflage vor und Dein Zielpunkt steht voll auf dem "X"! Lösen und nachzielen! (Follow through) Weiter machen, vom ziehen bis zum nachzielen. Variationen: Augen zu, ziehen, ankern und dann ein wenig den Bogenarm bewegen weil Du Dir in Gedanken vorstellst, wie Du Dein "X" suchst. Du erreichst es, lösen, nachzielen. Während der ganzen Zeit die Augen geschlossen halten! Eben weil da keine sichtbare, tatsächliche Zielauffassung statt findet, erzeugst Du neue, "gesunde" Verknüpfungen! Nach 15 - 20 blinden Schüssen, öffne die Augen und versuche 1-2 Schüsse auf eine tatsächliche Auflage oder ein kleines Ziel auf dem Hang oder der Heurolle. Sobald Du fühlst, dass die Panik zurück kommt, mit der "Blind-Übung" weiter machen. Immer nach 15 - 20 blinden Schüssen, einen Versuch starten. Aber nicht vergessen: Bei geschlossenen Augen, in der Ankerposition, MUSS eine Auflage vor Deinem geistigen Auge stehen!
"Mehrfach-Zielauffassung"
Erster Schritt: Suche Dir irgendein Ziel. Das kann eine reguläre Auflage sein oder ein Grasbüschel. Mache Dir klar und sage es Dir laut vor, dass Du jetzt das Ziel auffassen wirst! 10 mal! Ohne zu lösen!
Du ziehst - kommst zum X - setzt Deinen Zielpunkt mitten auf das X - bewegst Dich seitlich aus dem X heraus - gehst zurück auf das X - gehst runter und entspannst den Bogen!
Du solltest in der Hinsicht jedes Mal variieren, dass Du mal 2x, mal 3x oder sogar 4x auf das X gehst, bevor Du den Bogen entspannst. Dies wird garantiert neue Verknüpfungen mit der "Bewegung auf das Ziel zu" (BR) bilden, die normalerweise sofort das Lösen (A) "ausgelöst" hätte. Wiederhole das 10 - 15 mal und gehe dann zu Schritt zwei.
Zweiter Schritt: Jetzt wirst Du den gleichen Prozess wie in Schritt eins wiederholen, nur statt den Bogen zu entspannen wirst Du lösen und nachzielen. Sage Dir selbst, wie oft Du erst in das X und wieder heraus gehst, bevor Du dann beim letzten Mal den Pfeil tatsächlich löst. Geh zurück zu Schritt eins und/oder variiere das mit der "Blindschieß-Technik" um die neuen Verknüpfungen zu stabilisieren!
"Visualisierung"
Wichtig: Wenn Du visualisierst, wird Dein Körper angeregt sich wirklich an diese Handlung und den Ablauf zu erinnern, als würdest Du tatsächlich trainieren! Wenn Du Dir Dich selber vorstellst: Du gehst den ganzen Schussablauf durch, bis zum drücken des Release, nachzielen, Dein Pfeil trifft das X - Deine Muskeln werden wirklich auf einem sehr niedrigen Level reagieren und eine "Körpererinnerung" verbunden mit den richtigen Bildern entwickeln. Diese leichte Reaktion der Muskeln nennt man:
"Ideomotorische Reaktion" und die entsprechenden Untersuchungen haben bewiesen, dass trainieren durch Visualisierung nahezu genauso effektiv ist, wie das tatsächliche Training. Für einen Schützen mit Gold-Angst ist es sogar noch effektiver als tatsächliches Training, weil der Schütze den Schussablauf völlig richtig durchläuft und in der richtigen Zeit und passend den Pfeil löst! Die Panik kann nicht zuschlagen!
Das Beste an dieser Technik aber ist, Du kannst überall und zu jeder Zeit trainieren. Wo Du auch bist, schließe kurz die Augen, schieße einen optimalen Pfeil und verstärke Deine neuen Verbindungen! Versuche es einfach.


