Hier ein Beitrag eines Schützen, den ich vor einiger Zeit bei einem Wettkampf
kennen lernte. Sehr sympatisch und weiß von was er redet. Bei Rückfragen,
seine Mailadresse steht unten.
Scheibenpanik
Seit ca. 10 Jahren betreibe ich und beschäftige mich mit dem Bogenschießen ausschließlich Compound und vorwiegend mit dem Feldschießen. Vor ein paar Jahren holte auch mich, wie so manchen anderen Schützen, eine Seuche ein, genannt die "Scheibenpanik". Ich konnte nicht mehr auf die Scheibe zielen, zumindest das Visier nicht in die Scheibenmitte bringen. Sobald ich da irgendwie in die Mitte kam, kochte es in mir auf. Entweder löste ich, schlechter als jeder Anfänger sobald das Zentrum in Sichtweite war, oder ich schoß mal schnell in Gedanken....."huch" der Pfeil ist ja noch da. Trotz allem Mißmutes durch diese miserable Zeit fiel mir doch eine Gegebenheit auf, die mich anregte etwas gegen diesen Virus zu tun.
Da ich damals schon viel in Feldturnieren und Meisterschaften unterwegs war machte ich die Erfahrung, daß bei den kurzen Entfernungen (10 - 20 m) die Scheibenpanik nicht so belastend war wie bei weiteren Distanzen. Vielleich sind es wirklich die größeren Entfernungen die eine gewisse Angst im Hirn aufkommen lassen, mit dem Pfeil überhaupt die Scheibe zu treffen.
Also trainierte ich damals viel auf kurze Entfernungen, am Dachboden auf 5m und im Garten auf 10m. Wenn ich ins Training ging schoß ich die erste halbe Stunde keinen einzigen Pfeil. Ich machte einen sauberen Schußaufbau, zielte auf die Scheibe und setzte wieder ab. Das machte ich eine ganze Zeit lang, brachte aber dann beim Schießen besonders in den Wettkämpfen nicht den gewünschten Erfolg.
Nach einer Weile überlegte ich mir, was ist noch näher als jede kurze Scheibenentfernung?
Natürlich, mein Scope.
Zuerst versuchte ich mich wieder auf meinen Dachboden in 5 Meter Entfernung. Ich baute meinen Schuß in gewohnter Weise auf, richtete mein Visier auf einen verkleinerten "Hallenspot" aus und versuchte dabei nicht mehr davon abzuweichen. Als dann alles passte (Haltung, Fingerkontakt am Trigger) stellte ich mein Auge auf das Scope "scharf". Ich sah nur noch mein Ringkorn, die Scheibe erschien dabei leicht verschwommen. Sofort dachte ich nur noch an ein "sauberes Schießen" und das tat ich dann auch. Nach einigen Versuchen bemerkte ich, mein Bogen hört sich irgendwie auch anders an, ruhiger, sanfter und trotzdem auch schneller. (Der Bogen war ein OK V-Max II 3D)
Dieses Abschußverhalten erinnerte mich an das bekannte "Blindschießen", (blind 5 Meter vor einer Scheibe) wahr ja auch so ähnlich! Später ging ich dann wieder auf weiter entfernte Scheiben und es funktionierte auf einmal, auch bis auf 90 Meter.
Der Trick dabei, so denke ich, ist, durch dieses scharfstellen mit dem Auge bewirkt man ein gewisses Ablenken im Hirn oder wie ich immer sage: es unterbindet dieses "Hinfiebern" auf die Scheibe egal wie weit sie vom Schützen entfernt ist.
Gesagt sei noch, es ist nicht einfach diese Übung oder diesen Ablauf bei jeden Schuß durch zuziehen. Auch mich erwischt es auch heute noch, vor allem im Wettkampf, das ich vor lauter Eifer wieder auf die Scheibe schiele und dabei dann auch eine entsprechende Gruppierung produziere.
Anderseits wenn ich alles richtig mache wird´s treuer, denn man schießt sich einige Nocken kaputt!!!
Probiert´s doch einfach mal aus...
Reiner Artmann
reiner.artmann@schott.com


